
1966 kündigte sich in den Begriffen "Konzern" und "Dienstleister" ein Wandel von HOCHTIEF an.
Die Entwicklung von HOCHTIEF zu einem "Konzern" vollzog sich unauffällig und war zunächst
nicht mehr als eine Formalie, die primär bilanzbuchhalterische Qualität hatte.
Tatsächlich wurde die Konzerngründung durch eine Änderung des Aktiengesetzes im
Jahre 1965 erforderlich.
Der in den Begriffen "Konzern" und "Dienstleister" implizierte Wandel ist untrennbar verbunden mit
dem Namen von Dr. Albrecht Schumann (1911-1999), der 1966 Mitglied des Vorstandes wurde, 1968 den
Vorstandsvorsitz übernahm und dieses Amt bis zum Ende des Jahres 1980 innehatte. Sein Nachfolger
wurde Dr. Enno Vocke (*1925). Vocke gehörte seit 1971 dem Vorstand an und war von 1981 bis 1992
dessen Vorsitzender.
In den 1960er Jahren zeichnete sich bei HOCHTIEF eine Tendenz zu erweiterten Bauaufgaben ab, die für
die schrittweise Entwicklung von HOCHTIEF vom "Baumeister" zum "Systemführer" von Bedeutung ist. Die
Anfänge dieser Entwicklung kennzeichnen die Begriffe "schlüsselfertiges Bauen", "Generalunternehmer"
und "Dienstleister". Ein Schlüsselprojekt für HOCHTIEF war das Hilton-Hotel Athen (1961-1963) in
Griechenland. Dem Hilton-Hotel folgte eine Vielzahl weiterer schlüsselfertiger Bauten.
Nach den Wirtschaftswunderjahren zeichnete sich in der deutschen Bauindustrie eine Abflachung des Aufschwungs
ab. Bereits 1966 hatte sich der Gewinn bei HOCHTIEF gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verbessert.
Motor der positiven Entwicklung blieb noch immer das Inlandsgeschäft, dessen Anteil am Gesamtumsatz in den
Jahren 1967 bis 1975 bei
Mit der Ölkrise änderte sich das Verhältnis von Inlands- und Auslandsgeschäft grundlegend
und nachhaltig. Während die Erhöhung des Ölpreises im Jahr 1973 auf das Vierfache in vielen
Branchen Krisen auslöste, profitierte die Bauwirtschaft von dem unerwarteten Reichtum der ölexportierenden
Länder. Der Geschäftsbericht für das Jahr 1975 verzeichnete einen Zuwachs beim Auslandsgeschäft
gegenüber einem Rückgang des Inlandsgeschäfts. Dieser Trend setzte sich bis zum Jahr 1980 fort. In
diesem Jahr überschritt die Bauleistung von HOCHTIEF erstmals die sechs Milliarden DM Grenze. Hierzu trug das
Ausland mehr als die Hälfte bei. Der Bau des Flughafens Jeddah in Saudi Arabien (1974-1981) trug als bis dahin
größter Einzelauftrag von HOCHTIEF entscheidend zu diesem Ergebnis bei.
In den 1980er Jahren brach das Auslandsgeschäft allerdings zusehends ein. Vor allem über die Ausweitung des
Inlandsgeschäfts gelang es dennoch, HOCHTIEF stabil zu halten. Ein anspruchsvoller Bau dieser Zeit war das Torhaus
in Frankfurt am Main, das 1984 fertig gestellt wurde. Nach den mageren Jahren 1986 bis 1988 verzeichnete HOCHTIEF 1989
erstmals wieder einen deutlichen Zuwachs.