Ein großartiger Blick auf die Geschichte. © HOCHTIEF CZ

Das Mega-Puzzle

Kaum ein Verkehrsweg Tschechiens zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie der Negrelli-Viadukt, eines der ältesten Verkehrsbauprojekte der Hauptstadt Prag. HOCHTIEF restauriert das Baudenkmal derzeit. Die Kunst dabei: Neues schaffen und Altes erhalten. Ein 3-D-Puzzle im wahren Leben.

wss/mmdb - assetID : 171532 Linda Černá Vydrová; ©HOCHTIEF CZ

Es kommt auf jedes Detail an, wenn man Historisches bewahren und fit für die Zukunft machen will. Niemand weiß dies besser als Linda Cerná Vydrová. Deshalb türmen sich viele Steine am Fuße des Bauwerks, das mit seinen 87 Bögen an Vorgänger im antiken Rom erinnert. Jeder dieser Steine trägt eine Nummer. Denn nur so kann es gelingen, wieder zusammenzusetzen, was zusammengehört. Denn manche der Bögen sind so stark beschädigt, dass sie abgetragen werden müssen. „Beim originalgetreuen Wiederaufbau wollen wir so viel altes Material wie möglich verwenden“, sagt Linda Cerná Vydrová, die bei HOCHTIEF in Tschechien für die Restaurierung der Brücke verantwortliche Expertin. Ihr Ziel für das riesige 3-dimensionale Puzzle: „Wir wollen die Sanierung so effizient und professionell wie möglich gestalten.“

Die Rekonstruktion wird auf fast 1,5 Kilometern vorgenommen, 3,3 Kilometer Schienen werden ersetzt. Der Überbau und die technische Ausstattung werden erneuert. Fundament und Untergrund müssen mit Hochdruckinjektionsverfahren und Mikropfahlbohrungen verfestigt werden. Die Bauteams werden 100 Bögen aus Backstein, Sandstein oder Granit restaurieren, von denen acht über die Moldau führen. Mehr als ein Dutzend Bögen müssen komplett ersetzt werden.

Wenn Linda Cerná Vydrová auf den Negrelli-Viadukt schaut, ist sie voll des Lobes. „Es ist unglaublich, wie perfekt unsere Vorfahren den Viadukt geplant haben. Als der Viadukt vor mehr als 160 Jahren für den Verkehr geöffnet wurde, wogen die Züge nur ein paar Dutzend Tonnen, aber angesichts der Lasten und der Verkehrsdichte sehen wir, dass der Viadukt sich außerordentlich gut gehalten hat.“

„Durch die Rekonstruktion wird der technische Zustand der Brückenstrukturen verbessert und das veraltete mechanische Signalsystem wird durch ein modernes elektronisches System ersetzt. Das sorgt für noch mehr Sicherheit“, sagt die Bau-Chefin auf dem Viadukt. Vor 160 Jahren führte die Brücke durch fast freie, unbebaute Landschaft, heute liegt sie mitten in der Stadt. Auch die Anwohner werden eine deutliche Veränderung spüren. Antivibrationsmatten und neue Weichen sollen für mehr Ruhe sorgen, wenn ab 2020 wieder die Züge rollen. In Zukunft ist geplant, die Bögen für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen zu nutzen. „Und die Zugreisenden werden den neuen Überbau zweifellos zu schätzen wissen, durch den ihre Fahrt ruhiger und komfortabler wird“, beschreibt Linda Cerná Vydrová die Vorteile des Projekts.

Historie des Negrelli-Viadukts
Der Viadukt ist benannt nach seinem Erbauer, dem österreichischen Ingenieur Alois Negrelli. Die erste Eisenbahnbrücke über die Moldau wurde von 1846 bis 1849 errichtet und am 1. Juni 1850 für den Verkehr freigegeben. Bis zu 3.000 Menschen arbeiteten damals auf der Baustelle. Nach seiner Fertigstellung bestand der Viadukt aus 87 Steinbögen: 8 aus Granit und 79 aus Sandstein. Auch heute noch verbindet er den Bahnhof Masaryk mit dem Prager Stadtteil Bubny am anderen Ufer der Moldau. 1873 wurde der Viadukt um 351 Meter und 26 Bögen (10 aus Stein und 16 aus Backstein) erweitert, so dass ein Brückenarm entstand. Der Negrelli-Viadukt ist nach der berühmten Karlsbrücke die zweitälteste Brücke Prags und war mit 1.110 Metern Länge bis 1910 sogar die längste Brücke Europas.

02.10.2018
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