HOCHTIEF
 


Bauhaus – Wegweiser der modernen Architektur

Das Jahr 1919, als Walter Gropius mit der Gründung des Bauhauses in Weimar die "Schule der Moderne" schuf, gilt als Geburtsjahr der modernen Architektur. Das Ziel von Gropius und den Bauhauskünstlern war es, Bauwerke als "Gesamtkunstwerke" zu schaffen.

Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer – sie alle lehrten am Bauhaus und prägten die Ideen der modernen Kunst.

1925 zog das Bauhaus nach Dessau. Dort wurde die wegweisende Bauhaus-Architektur in zahlreichen Bauwerken umgesetzt: Es entstanden unter anderem das Bauhaus-Gebäude selbst sowie vier "Meisterhäuser" – die Wohnhäuser der Bauhaus-Lehrer – die bis heute als vorbildliches Beispiel der Bauhaus-Moderne gelten. 1996 wurden die Gebäude in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommen.

Als Mitte der 1990er Jahre das stark sanierungsbedürftige Meisterhaus Kandinsky-Klee restauriert werden musste, übernahm HOCHTIEF diese Aufgabe. Für uns war dies eine Herausforderung und Ehre zugleich, zumal wir im Eröffnungsjahr des Meisterhauses 2000 unser 125-jähriges Unternehmensjubiläum feierten. Das gesamte Jubiläumsjahr stand bei HOCHTIEF im Zeichen der modernen Architektur und Kunst. Ausstellungen wie "Wassiliy Kandinsky und Paul Klee. Eine Meisterfreundschaft in Dessau" oder "Bauhaus: Dessau - Chicago - New York" sind nur einige Beispiele für die vielfältigen HOCHTIEF-Aktivitäten. Auch in den folgenden Jahren unterstützten wir zahlreiche Ausstellungen und Initiativen zum Bauhaus.

Weitere Informationen zu den Meisterhäusern finden Sie unter www.meisterhaeuser.de sowie unter www.bauhaus-online.de.

Meisterhaus Kandinsky-Klee

Das Meisterhaus war das Zuhause der Künstler Wassily Kandinsky (1866 - 1944) und Paul Klee (1879 - 1940) in ihren Dessauer Bauhaus-Jahren. Walter Gropius hatte Klee 1921 ans Bauhaus geholt. Er unterrichtete zunächst Formenlehre, später auch Malerei. Kandinsky lehrte seit 1922 am Bauhaus. Er war Formmeister der Werkstatt für Wandmalerei und unterrichtete "Analytisches Zeichnen" und "Abstrakte Formenlehre". Die beiden Künstler lebten mit ihren Familien in dem Doppelhaus, dessen farbliche Gestaltung mit einer Vielzahl von Farben eigene Raumwelten schuf: Mit mehr als 170 verschiedenen Farbtönen gestalteten Kandinsky und Klee das Innere der Häuser nach ihren individuellen Vorstellungen. Sie stehen damit in einem deutlichen Gegensatz zur spröden, abstrakt und fast technokratisch anmutenden Architektur der Meisterhäuser.

Nach Vertreibung der Bauhaus-Meister durch die Nationalsozialisten wurde das Meisterhaus Kandinsky-Klee bereits in den 1930er Jahren baulich verändert. In den 1990er Jahren war es stark sanierungsbdürftig. Ein faszinierender Teil an Originalsubstanz war jedoch erhalten geblieben. Neben Türen, Beschlägen und Einbauschränken war besonders die ursprüngliche Farbigkeit der Räume noch vorhanden oder nachweisbar.

HOCHTIEF erklärte sich bereit, die Restaurierung zu übernehmen. Das Unternehmen stellte eine Million DM zur Verfügung, um das kunst- und architekturhistorisch unersetzliche Gebäude wieder zugänglich zu machen und der Nachwelt zu erhalten – eine Herausforderung, die HOCHTIEF für sein Jubiläumsjahr gerne annahm. Nach umfangreichen Voruntersuchungen begann HOCHTIEF Anfang 1998 als Generalunternehmer mit den Arbeiten. Am 4. Februar 2000 wurde das Meisterhaus Kandinsky-Klee in Dessau wiedereröffnet.

Heute ist die eigenwillige und eindrucksvolle Farbgebung des Doppelhauses wieder zu sehen. Sie stellt im Bereich der Bauhaus-Architektur eine Einmaligkeit dar. Das Meisterhaus Kandinsky-Klee gilt somit zu Recht als eine international bedeutsame Inkunabel der modernen Architektur. Darüber hinaus eröffnet die Renovierung des Kandinsky-Wohnhauses einzigartige Einblicke in das Privatleben des Künstlers.

Weitere Informationen:
www.meisterhaeuser.de

Meisterhäuser in Dessau

1925 zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau. Dort wurden nach den Plänen von Bauhaus-Gründer Walter Gropius 1925/26 neben seinem eigenen Haus drei Doppelhäuser für die am Bauhaus tätigen Lehrer errichtet. Wassily Kandinsky wohnte und arbeitete von 1925 bis 1932 Tür an Tür mit Paul Klee. Außerdem bezogen László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger sowie Georg Muche und Oskar Schlemmer jeweils eines der Meisterhäuser.

Die Häuser, von denen die Villa Gropius und ein halbes Doppelhaus im Krieg zerstört wurden, haben seit der Verfemung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten eine bewegte Vergangenheit hinter sich.

So wurden zusätzliche Wände eingezogen und die großen Atelierfenster zugemauert. Obwohl die Häuser durch jahrzehntelange Nutzung stark sanierungsbedürftig waren, blieb ein großer Bestand der Originalsubstanz erhalten.

Die Meisterhäuser gelten mit ihren klaren Formen und ihrer ökonomischen Raumaufteilung nach wie vor als vorbildliches Beispiel der Bauhaus-Moderne. Grund genug für die UNESCO, die Meisterhäuser gemeinsam mit dem Bauhaus-Gebäude Ende 1996 in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen.

Weitere Informationen zu den Meisterhäusern finden Sie unter www.meisterhaeuser.de sowie unter www.bauhaus-online.de.


Meisterhaus Feininger-Moholy-Nagy

Hier lebten und arbeiteten die Künstler Lyonel Feininger (1871-1956) und László Moholy-Nagy (1895-1946) während ihrer Lehrtätigkeit am Bauhaus. Lyonel Feininger war als Formmeister der Druckerei bis 1925 am Bauhaus tätig, danach als Meister ohne Lehrauftrag. László Moholy-Nagy leitete von 1923 bis 1928 die Vorkurse und fungierte als Formmeister der Metallwerkstatt. Seit 1924 gab er zusammen mit Walter Gropius die Bauhaus-Bücher heraus.

Ein Luftangriff zerstörte 1943 die Villa von Walter Gropius sowie die benachbarte Doppelhaushälfte des Meisterhauses Feininger-Moholy-Nagy. Das verbliebene Feininger-Haus machte eine wechselvolle Geschichte durch, bevor es 1994 von der Stadt Dessau in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Im März 2011 wurde das Feininger-Haus nach mehrmonatigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet und präsentiert sich seitdem in der Farbwirkung zur Einzugszeit der Familie Feininger aus dem Jahr 1926. Dabei wurden alle Flächen farblich neu gefasst. Zudem wurden Türen und Türfutter restauratorisch aufgearbeitet. Heute hat das Kurt-Weill-Zentrum in diesem Meisterhaus in der Ebertallee 63 seinen Sitz.

Das Doppelhaus der beiden Künstler unterschied sich von den anderen Meisterhäusern Kandinsky-Klee und Muche-Schlemmer nur durch Spiegelung und Drehung der Grundrisse. Somit hatten die Meisterhäuser auch Anteil an dem von Walter Gropius angestrebten seriellen, typisierten Wohnungsbau. Dazu Gropius: "Alle sechs Wohnungen in den drei Doppelhäusern sind gleich und dennoch verschieden in der Wirkung. Vereinfachung durch Multiplizierung bedeutet Verbilligung und Beschleunigung."


Foto: Yvonne Tenschert, 2011, Stiftung Bauhaus Dessau
Die exklusive Lage in einem parkähnlichen Areal, die ästhetisch exquisite Gestaltung, der großzügige Zuschnitt der Wohnungen und die für damalige Verhältnisse hochmoderne Ausstattung rücken die Meisterhäuser allerdings in die Nähe luxuriöser, individueller Villen.

Meisterhaus Muche-Schlemmer

In diesem Meisterhaus wohnten und arbeiteten die Bauhaus-Lehrer Georg Muche (1895-1947) und Oskar Schlemmer (1888-1943) während ihrer Tätigkeit in Dessau.

Georg Muche war zwischen 1920 und 1927 als Meister am Bauhaus tätig. Zuerst leitete er von 1921 bis 1922 den Unterricht im Vorkurs. Anschließend übernahm der Künstler die Leitung der Ausstellungskommission für die Bauhausausstellung 1923. Anlässlich dieser Ausstellung wurde in Weimar das von ihm entworfene "Haus am Horn" gebaut. Ab 1925 arbeitete Muche dann als Formmeister der Weberei.

Oskar Schlemmer hatte in seiner Zeit als Meister am Bauhaus von 1921 bis 1929 verschiedene Aufgaben inne: Bis 1922 war er Formmeister der Wandmalerei, danach bis 1925 der Holz- und Steinbildhauerei. Von 1923 bis 1929 leitete Schlemmer die Bühnenwerkstatt.

Mit der Restaurierung des Meisterhauses Muche-Schlemmer in der Ebertallee 65-67 wurde inzwischen auch das letzte erhaltene Gebäude des Ensembles wiederhergestellt. Dieses Haus musste sich in den 30er Jahren ebenfalls beträchtliche verunstaltende Eingriffe gefallen lassen: Die Atelierfenster wurden teilweise zugemauert, Schornsteine angebracht und die Raumaufteilung verändert.


 
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