Stakeholder im Dialog - Arbeitsmarkt
Julian Ziesing,
Head of Research & Consulting,
Potentialpark Communications, Stockholm
Nach welchen Kriterien wird heute ein Arbeitgeber ausgewählt?
Es gibt Schwellenkriterien, wie etwa das Gehalt, die stimmen müssen. Es ist
aber schwer, damit nachhaltiges Employer Branding zu betreiben. Wesentlichere
Faktoren sind die Unternehmenskultur, interessante Aufgaben und die
Entwicklungschancen. Hierüber findet man am ehesten Menschen, die auch
langfristig bleiben, weil sie sich im Unternehmen wohl fühlen. Im
Social-Media-Zeitalter ist die größte Herausforderung, sich in solchen
Kriterien glaubhaft von seinen Mitbewerbern abzusetzen, indem alle Mitarbeiter
zu Botschaftern der Employer-Branding-Werte werden. Dies geht nur, wenn man
sich damit nicht nur dann beschäftigt, wenn gerade eine Recruiting-Knappheit
herrscht, sondern Jahr für Jahr über einen langen Zeitraum.
Welche Rolle spielt die Reputation eines Unternehmens bei der Auswahl?
Viele Unternehmen haben das Problem, dass sie durch ihre breite Wahrnehmung
stereotype Profile anziehen, aber bei Jobs, die nicht in dieses Schema passen,
herrscht Flaute. Die Unternehmensreputation kann daher ambivalente Auswirkungen
auf das Recruiting haben. Employer Branding sollte immer da ansetzen, wo das
Unternehmen ein Recruiting-Problem lösen will, entweder ein momentanes, oder
vorbeugend für die Zukunft. Wenn man zu den attraktivsten Arbeitgebern bei
seiner Zielgruppe zählen will, führt an einer effizienten Talent
Acquisition kein Weg vorbei. Die größten Defizite sehen wir hier bei
bewerberunfreundlichen Online-Bewerbungs-Systemen, die die mühsam aufgebaute
Reputation wieder beschädigen können.
Was ist zu tun, um sich für Bewerber attraktiv darzustellen?
Was die Kommunikation angeht: Präsent sein, den Dialog aufrecht halten,
verschiedene Kanäle besetzen, herausfinden, was auf welche Art am besten
funktioniert. Die Zukunft liegt wahrscheinlich nicht in einem bestimmten Medium
mit konformen Kommunikationsregeln, sondern ist völlig unberechenbar.
Welche Rolle spielt der Webauftritt eines Unternehmens beim Recruiting?
Alle Bewerber und potenziellen Bewerber gehen zu irgendeinem Zeitpunkt auf die
Karrierewebsite. Stimmt hier was nicht, fällt es immer auf. Sie ist zwar
nicht die einzige Quelle, doch sie muss mit allen anderen abgestimmt sein,
etwa dem Auftritt in den Medien, auf anderen Online-Plattformen und Netzwerken,
gegenüber Kunden und Konsumenten. Die Karrierewebsite wird zum Dreh- und
Angelpunkt für sämtliche Kommunikation, selbst die, die nicht online
stattfindet. Besonders beeindruckt sind wir von dem Erfolg einiger Unternehmen
in Social-Media-Netzwerken. Mit ihren Auftritten beschreiten sie neue Wege im
Recruiting und Employer Branding. Sie bereichern den bisherigen Webauftritt
mit ihrer Interaktivität und persönlichen Ansprache um eine neue
Dimension. Hier sehen wir den spannendsten Wettbewerb 2012.