
Die Gründer von HOCHTIEF waren die Brüder Balthasar (1848-1896) und Philipp
Helfmann (1843-1899). Balthasar Helfmann absolvierte eine Lehre als Schlosser,
Philipp ergriff den Beruf des Maurers. 1872 zog Philipp Helfmann von
Kelsterbach, dem Geburtsort der Brüder, nach Frankfurt-Bornheim und firmierte
dort zunächst als Holzhändler, kurz darauf dann als Bauunternehmer. 1873 folgte
ihm sein Bruder Balthasar, der bis dahin als selbständiger Schlosser in
Frankfurt gearbeitet hatte. 1874 verzeichnete das Bornheimer Adressbuch erstmals
die Firma "Gebrüder Helfmann".
"Philipp Helfmann war stets und oft unverhofft überall: im Büro, auf den Lagerplätzen, in den Werkstätten und auf den Baustellen. Meistens reiste er nachts, um morgens vor Beginn der Arbeitszeit auf den auswärtigen Baustellen zu sein und sich einen unbeeinflussten Überblick über den Stand der Arbeiten zu machen, ehe die Poliere, Bauführer und Ingenieure ihm berichteten."
Der Zeitpunkt für die Gründung eines Bauunternehmens schien gut gewählt.
Frankfurt am Main gehörte seit 1866 zu Preußen. Diese politische Veränderung
brachte einen immensen Industrialisierungsschub. Neue Betriebe siedelten sich
an, und ihnen folgten viele Arbeitskräfte. Allein in Bornheim betrug die Zahl
der Einwohner 1875 mehr als das doppelte als im Jahr 1864. Mit der Zahl der
Einwohner erhöhte sich auch der Bedarf an Wohnungen und auch die Fabriken
mussten erst einmal gebaut werden. In zweiter Linie folgten dann
Infrastrukturmaßnahmen: Der Bau neuer Verkehrswege, vorwiegend
Eisenbahnstrecken, und der Ausbau der Kanalisation wurde von den Stadtvätern
verstärkt vorangetrieben.
Die 1873 beginnende Gründerkrise beendete diesen Boom. Die allgemeine wirtschaftliche Lage macht plausibel, dass die Gebrüder Helfmann ihr Unternehmen vor dieser Konjunkturflaute gründeten. Dies und die Untersuchung der Lebensläufe der Brüder belegen, dass sich Philipp und Balthasar Helfmann schon vor 1875 als Bauunternehmer niederließen. Bisher galt dieses Jahr als das Gründungsjahr.
Schon nach kurzer Zeit erhielt das
Unternehmen den ersten bedeutenden Hochbauauftrag: die Universität Gießen
(1878-1879). Auch das Frankfurter Gerichtsgebäude "Neue Zeil" (1884-1886) war
ein wichtiger Auftrag. 1878 erbauten die Brüder die Schriftgießerei Bauer in
Bockenheim (Frankfurt am Main), die im Volksmund "Schornsteinakademie" genannt
wurde. Andere Industriebauten folgten.
Auch im Tiefbau waren die Helfmänner tätig. Ein Beispiel dafür sind Kläranlagen, die zwischen 1883 und 1887 in Frankfurt am Main gebaut wurden. Neue bauunternehmerische Wege ging das Unternehmen mit dem Projekt Hotel Kaiserhof in Wiesbaden (1893-1895). Es wurde betriebsfertig errichtet, das heißt vom Rohbau über die Innenausstattung bis zur Anstellung des Badearztes gehörte alles zum Auftrag dazu.
Zu den Ziegeleien kamen später noch eine
Sägerei und ein umfangreicher Fuhrpark. Einen Steinmetzbetrieb gaben sie
allerdings nach kurzer Zeit wieder auf, da er sich nicht rentierte.