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Gebrüder Helfmann (1873-1896)

HOCHTIEF wahrscheinlich schon vor 1875 gegründet

Der Zeitpunkt für die Gründung eines Bauunternehmens schien gut gewählt. Frankfurt am Main gehörte seit 1866 zu Preußen. Diese politische Veränderung brachte einen immensen Industrialisierungsschub. Neue Betriebe siedelten sich an, und ihnen folgten viele Arbeitskräfte. Allein in Bornheim betrug die Zahl der Einwohner 1875 mehr als das doppelte als im Jahr 1864. Mit der Zahl der Einwohner erhöhte sich auch der Bedarf an Wohnungen und auch die Fabriken mussten erst einmal gebaut werden. In zweiter Linie folgten dann Infrastrukturmaßnahmen: Der Bau neuer Verkehrswege, vorwiegend Eisenbahnstrecken, und der Ausbau der Kanalisation wurde von den Stadtvätern verstärkt vorangetrieben.

Die 1873 beginnende Gründerkrise beendete diesen Boom. Die allgemeine wirtschaftliche Lage macht plausibel, dass die Gebrüder Helfmann ihr Unternehmen vor dieser Konjunkturflaute gründeten. Dies und die Untersuchung der Lebensläufe der Brüder belegen, dass sich Philipp und Balthasar Helfmann schon vor 1875 als Bauunternehmer niederließen. Bisher galt dieses Jahr als das Gründungsjahr.

Universität Gießen erster bedeutender Bauauftrag

Die Gebrüder Helfmann bauten zunächst Häuser auf "eigene Rechnung". Nach der Fertigstellung wurden diese dann verkauft.
Schon nach kurzer Zeit erhielt das Unternehmen den ersten bedeutenden Hochbauauftrag: die Universität Gießen (1878-1879). Auch das Frankfurter Gerichtsgebäude "Neue Zeil" (1884-1886) war ein wichtiger Auftrag. 1878 erbauten die Brüder die Schriftgießerei Bauer in Bockenheim (Frankfurt am Main), die im Volksmund "Schornsteinakademie" genannt wurde. Andere Industriebauten folgten.

Auch im Tiefbau waren die Helfmänner tätig. Ein Beispiel dafür sind Kläranlagen, die zwischen 1883 und 1887 in Frankfurt am Main gebaut wurden. Neue bauunternehmerische Wege ging das Unternehmen mit dem Projekt Hotel Kaiserhof in Wiesbaden (1893-1895). Es wurde betriebsfertig errichtet, das heißt vom Rohbau über die Innenausstattung bis zur Anstellung des Badearztes gehörte alles zum Auftrag dazu.

Baumaterialien selbst produziert

Bei der guten Auftragslage der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts gingen die Brüder dazu über, Baumaterialien selbst zu produzieren: Sie errichteten zunächst eine Feldbrandziegelei an der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt, später eine Ringofenziegelei in Heddernheim.

Zu den Ziegeleien kamen später noch eine Sägerei und ein umfangreicher Fuhrpark. Einen Steinmetzbetrieb gaben sie allerdings nach kurzer Zeit wieder auf, da er sich nicht rentierte.