
Als Gebrüder Helfmann war das junge Bauunternehmen bereits sehr erfolgreich.
Allerdings beschränkte sich die Bautätigkeit noch auf den Frankfurter Raum. Für
eine Erweiterung des Geschäfts fehlte der Firma einfach das nötige Kapital. In
dieser Frage erwies sich Philipp Helfmann als der wagemutigere und vielleicht
auch weitsichtigere der beiden Brüder. Denn es ist sicher kein Zufall, dass er
kurz nach dem Tod von Balthasar die Umwandlung des Unternehmens in die
Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten initiierte. Dabei betonte er
ausdrücklich die Kontinuität zu seinen Anfängen. Im Mai 1896 verkündete er
stolz:
"Herr Philipp Helfmann behält als Vorstand der Gesellschaft auch ferner die Oberleitung der Geschäfte und wird den Betrieb mit den Mitarbeitern, welche schon seiner früheren Firma zur Verfügung gestanden haben, in gleicher Weise fortführen."
Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft blieb HOCHTIEF also zunächst einmal ein Familienunternehmen. Die Verantwortung oblag weiterhin allein Philipp Helfmann.
Bei allem Traditionsbewusstsein dachte Philipp Helfmann oft sehr "modern". Ein
eindrucksvolles Zeugnis seiner Bereitschaft, unternehmerisch neue Wege zu gehen,
ist das Projekt Bad Orb. 1899 schloss HOCHTIEF darüber einen Vertrag mit der
Stadt Orb ab.
Noch in anderer Hinsicht ist der Getreidespeicher ein bedeutendes Bauwerk: Er
wurde ganz in Stahlbeton errichtet. Die Entdeckung des Eisen- bzw. Stahlbeton
war mehr als die Erfindung eines neues Baustoffs. Vielmehr revolutionierte sie
die Bautechnik. Eindrucksvolle Bauwerke, bei denen Stahlbeton verarbeitet wurde,
waren das 1906/1907 errichtete Stadttheater in Freiburg und die 1907/1908
erbaute Westend Synagoge in Frankfurt am Main. Bei diesen Bauten wurde
Stahlbeton noch eher versteckt eingesetzt; man verwendete ihn bei der "inneren
Konstruktion" und benutzte als Fassadenmaterial herkömmliche Baustoffe.