Projektbezogene Innovationen
Die dritte Ebene umfasst projektbezogene Innovationen. Diese Leistungen machen den Großteil unserer Innovationen aus und werden vor allem direkt auf Baustellen oder bereits während der Projektplanung erbracht. Wir entwickeln für unsere Unikate nicht nur individuelle technologische Sondervorschläge, sondern optimieren unter anderem Material und Logistik. Die Aufwendungen für diese Arbeiten werden den Projekten zugerechnet und nicht konzernweit erfasst.

Virtuelles Bauen – Basis nachhaltiger Bauplanung

Aus dem früheren FuE-Schwerpunkt "virtuelles Bauen" entstand 2007 unsere Gesellschaft HOCHTIEF ViCon. Sie hat sich erfolgreich auf dem Wachstumsmarkt für Virtual Design and Construction (ViCon), auch Building Information Modeling (BIM), etabliert. Die verschiedenen Unternehmensbereiche von HOCHTIEF setzen inzwischen die modernen Geschäftsprozesse unter Anwendung von 3D-Modellen bei zahlreichen Projekten ein. Sie bilden im Konzern immer häufiger die Basis nachhaltiger und effektiver Leistungen im gesamten Gebäude-Lebenszyklus.

Unsere amerikanische Tochtergesellschaft Turner etwa hat inzwischen mehr als 300 Projekte mithilfe von BIM-Prozessen realisiert, zum Beispiel das Projekt Middle Tennessee Medical Center in Murfreesboro.

Beim Stadtentwicklungsprojekt Lusail in Katar setzt HOCHTIEF ViCon die Methode im Infrastrukturbereich ein. Hier unterstützen wir mit Hilfe eines eigenständig entwickelten 3D-Modells bei der Planung und dem Bau der primären Infrastruktur, unter anderem Straßen, U-Bahn, Gas- und Versorgungsleitungen. Mithilfe unserer entwickelten Standards zur Einbindung von modernsten Technologien des virtuellen Bauens können wir die Qualität der Planung und Bauvorbereitung messbar und nachhaltig steigern. Wir minimieren damit zusätzlich Risiken unserer Kunden und unseres eigenen Geschäfts und unterstreichen unsere führende Position in der Entwicklung und Anwendung neuer Technologien.

Die Kranhäuser in Köln: Jeder, der an der Planung beteiligt ist, erhält mithilfe von ViCon über den gesamten Lebenszyklus des Projekts Informationen, um Prozesse zu optimieren.

Weitere Informationen:
www.hochtief-vicon.de/
www.turnerconstruction.com/

Mehr Sicherheit rund um Straßenbauprojekte

Die australische Beteiligungsgesellschaft Leighton Contractors realisiert derzeit den Ballina Bypass zum Ausbau des Pacific Highways. Wie bei solchen Projekten üblich, verändern sich Verkehrsführung und -situation aufgrund der fortschreitenden Bauarbeiten ständig und erfordern insbesondere von den Fahrern von Schwerlasttransporten höchste Aufmerksamkeit. Um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ebenso wie die der Arbeiter auf der Baustelle zu erhöhen und Unfälle zu verhindern, setzte Leighton 2010 erstmals ein von seiner Tochtergesellschaft Visionstream entwickeltes neuartiges Warnsystem ein. Mit dem "Visionstream Telepath™ CB Radio Highway Alert System" werden zu schnell fahrende Fahrzeuge per Radar identifiziert und über UHF-Radiofunk auf ihre überhöhte Geschwindigkeit und auf die Baustelle hingewiesen.

Für das selbstentwickelte Warnsystem, mit dem zu schnell fahrende Lkws über Radar gewarnt werden, erhielt Leighton den National Safety Award of Excellence.

Lichtkonzept für effektvolle und nachhaltige Bühnenbeleuchtung

Bislang galt die effektvolle aber gleichzeitig energiesparende Beleuchtung in Oper und Theater als schwer lösbare Aufgabe. HOCHTIEF Energy Management setzte 2010 im Staatstheater Hannover ein Beleuchtungskonzept um, das den hohen künstlerischen Anforderungen entspricht und trotzdem deutlich Energie einspart. Dazu wurden die bisher genutzten Glühbirnen durch LEDs ausgetauscht, die wir in Kooperation mit einem Lampenhersteller entwickelten. Außerdem optimierte HOCHTIEF die Steuerungstechnik. Die Folge: Der Energieverbrauch ging um 80 Prozent zurück. Künstler und Zuschauer sind von der neuen Beleuchtung begeistert. Dem HOCHTIEF-Projektteam wurde dafür im September 2010 der European Energy Service Award 2009 verliehen, der innovative Dienstleistungen im Energiesektor auszeichnet.

LEDs und eine von HOCHTIEF optimierte Steuerungstechnik sorgen im Staatstheater Hannover für eine effektvolle und gleichzeitig energiesparende Beleuchtung.

Höchstes Gebäude der Welt realisiert

Mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa wurde im Januar 2010 das höchste Gebäude der Welt eröffnet. Unsere Tochtergesellschaft Turner hat als Construction-Manager wesentlich zum Gelingen des Mega-Projekts in dem arabischen Emirat beigetragen. Hier wurde beispielsweise ein Verfahren entwickelt, um Beton zirka 585 Meter senkrecht in die Höhe zu pumpen, ohne dass er auf seinem langen Weg nach oben erstarrt. Höher ging es nicht, deshalb entstanden die obersten Stockwerke aus Stahlbeton-Fertigelementen. Ein zukunftsweisendes Evakuierungssystem gewährleistet die Räumung des riesigen Turms im Notfall. Die Fassadenbauer stellten einen Weltrekord auf: Niemals vorher wurde eine höhere Fassade aus Aluminium und Glas installiert. Insgesamt verbauten die Arbeiter in 22 Mio. Arbeitsstunden unter anderem 330.000 Kubikmeter Beton und 142.000 Quadratmeter Glas.

Burj Khalifa Februar 2010

Weitere Informationen:
www.turnerconstruction.com/

John James Audubon Bridge – die längste Schrägseilbrücke Amerikas

Die HOCHTIEF-Tochter Flatiron baute bis 2010 in der Nähe von New Orleans die längste Schrägseilbrücke Amerikas. Besondere Herausforderung für unsere Gesellschaft: Die Arbeiten fanden in der Hochwasserperiode statt. Deshalb entschied sich Flatiron für ein kosten- und zeitsparendes Verfahren, bei dem die beiden Fundamente der Brückenpfeiler im Schutz einer 2.300 Tonnen schweren "Fangedamm"-Konstruktion* entstanden, die zuvor über der Wasseroberfläche gebaut und dann in den Fluss abgesenkt werden.

* Beim Brückenbau ist Fangedamm ein System, das im Wasser die Herstellung einer trockenen Baugrube für die Gründung ermöglicht.

Bauarbeiten an der längsten Schrägseilbrücke Amerikas: die John James Audubon Bridge in New Orleans.
Bauarbeiten an der längsten Schrägseilbrücke Amerikas: die John James Audubon Bridge in New Orleans.

Weitere Informationen:
www.flatironcorp.com/

Einzigartige Konstruktion eines Bahnhofsdachs

Unsere australische Tochtergesellschaft Leighton sorgte mit dem wellenförmigen Dach beim Bahnhof Southern Cross in Melbourne für Aufsehen. Die wasserdichte Konstruktion "atmet" von innen und filtert Rauch, Dieselpartikel und Schadstoffe heraus. Das Projekt erforderte nicht nur bei der Herstellung und Montage der unterschiedlich geformten Dachelemente zahlreiche Innovationen. Auch die Aufgabe, den Bahnhof ohne den Einbau technischer Anlagen zu entlüften, stellte uns vor große Herausforderungen. Zusätzlich erschwert wurde das Projekt durch den Einsatz einer Vielzahl von Materialien und Baukonstruktionen, die bislang in Australien noch nicht verwendet wurden. Leighton meisterte die Herausforderungen souverän und erhielt 2007 für das Projekt den "Australian Construction Achievement Award".

"Atmendes Dach" als Sehenswürdigkeit in Melbourne: der von unserer australischen Tochter Leighton realisierte Southern-Cross-Bahnhof.

Neuartige Materialien und Produkte genutzt

Für das "Experimental Media and Performing Arts Center", eine Kultureinrichtung im Bundesstaat New York, verbaute die US-Tochter Turner innovative Produkte und Materialien: Eine besondere Schallisolierung ermöglicht es, die 24 Säle zur gleichen Zeit zu nutzen. Durch die Fensterrahmen des Gebäudes fließt warmes Wasser – die erste "Glasvorhangfassade" der USA. So kann auch im Winter Wärme garantiert werden. Das nahezu geräuschlose Heizungs-, Klima- und Lüftungssystem nutzt eine spezielle Verdrängungslüftung, um warme Luft unter die Sitzflächen zu leiten. Dies erhöht den Komfort für die Zuschauer. Eine weitere Neuheit: Beim Feuerschutz in den Akustikdecken setzten wir zum ersten Mal ein Material ein, das sonst für die Schutzkleidung von Feuerwehrleuten verwendet wird. Auch bei der Konstruktion des Gebäudes erarbeitete Turner eine einzigartige Lösung und lieferte ein Verfahren, um das Center in einem 45-Grad-Winkel an einen Berg "anzuhängen".

Erhöhter Komfort für die Zuschauer: Eine spezielle Verdrängungslüftung leitet warme Luft unter die Sitzflächen.
24 Säle lassen sich aufgrund einer besonderen Schallisolierung zur gleichen Zeit nutzen.

Weitere Informationen:
www.turnerconstruction.com/

Brückenbau umweltschonend realisiert

Die US-amerikanische HOCHTIEF-Tochtergesellschaft Flatiron entwickelte ein Brückenbauverfahren, das Eingriffe in die Natur minimiert: Das Unternehmen konstruierte einen Ausleger, von dem Pfähle in den Boden getrieben, vorgefertigte Straßensegmente verlegt und Träger eingesetzt werden. Ist ein Streckenabschnitt vollendet, fährt der Ausleger weiter. Der Einsatz schwerer Baufahrzeuge ist deshalb nicht notwendig. Die neuartige Maschine ermöglicht so, eine gesamte Brücke in einem "Fließbandverfahren" zu errichten. Beim Bau des Straßenprojekts Highway 17 Bypass bei Washington, der durch ein Naturschutzgebiet führt, setzte Flatiron diese Methode erstmals ein. Wir gewannen den Auftrag in einem Bieterwettbewerb, bei dem neben den Baukosten auch die Umweltverträglichkeit der Baumaßnahmen als Auswahlkriterium zählte.

Ein Fließbandverfahren beim Brückenbau kam hier zum ersten Mal zum Einsatz: Bau des Straßenprojekts Highway 17 Bypass bei Washington.

Weitere Informationen:
www.flatironcorp.com/

Innovatives Planungsverfahren für Flughafenmanagement

HOCHTIEF Concessions nutzt für das Flughafenmanagement die "Szenario-Planungsmethode". Dabei handelt es sich um eine Methode, die realistische Entwicklungsmöglichkeiten für eine relativ ferne Zukunft und bei relativ großer Unsicherheit bestimmter Rahmenbedingungen aufzeigt. Unsere Tochtergesellschaft hat die Methode an ihre speziellen Anforderungen angepasst und setzte sie beim Flughafen Budapest zum ersten Mal ein. Erster Erfolg ist die neue Organisationsstruktur. Dazu identifizierte HOCHTIEF Concessions gemeinsam mit dem lokalen Management des Flughafens alle Ereignisse und Entwicklungen, die für die Zukunft des Airports relevant sind. Daraus wurden unterschiedliche Szenarien abgeleitet und die Organisation wurde darauf abgestimmt. So entstand beispielsweise eine "Aviation-Unit", die das Angebot für die Airlines sowie dessen Umsetzung zentral bearbeitet. Bei klassisch gemanagten Flughäfen werden die beiden Bereiche getrennt und daher weniger kundenorientiert geführt.

Historische Gebäudeteile rekonstruiert

Nachdem HOCHTIEF das neobarocke Charlottenburger Tor bereits restauriert hatte, stellten wir auch zwei zerstörte Kandelaber vor dem Bauwerk wieder her. Die Ornamente der beiden zirka 22 Meter großen Leuchter, ursprünglich aus wenig umweltresistentem Tuffstein gefertigt, wurden von uns mit einem " Tuffstein-Imitat" aus einem hierfür eigens entwickelten Beton nachgebildet.

Die Kandelaber am Charlottenburger Tor in Berlin. Eigens entwickeltes Tuffstein-Imitat soll der Umweltbelastung trotzen.