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Politisierung der Bauwirtschaft (1933-1945)

Nach der gedämpften Stimmung der letzten Jahre enthielten die Geschäftsberichte ab 1933 zunächst wieder optimistische Zukunftserwartungen. Offenkundig gab der Regierungsantritt Hitlers dazu den Anlass. Dass Hitler vielfach positiv eingeschätzt wurde, zeigt sich auch daran, dass viele Aufsichtsratsmitglieder nach den Wahlen im März 1933 in die NSDAP eintraten. Im Vorstand ist 1933 allerdings kein Parteimitglied, erst die später berufenen Direktoren besaßen fast alle ein Parteibuch. Voraussetzung für einen Sitz im Vorstand oder Aufsichtsrat war die Mitgliedschaft in der NSDAP aber nie. Die Führung von HOCHTIEF war folglich nicht einheitlich auf die Parteilinie verpflichtet. So blieben die jüdischen Aufsichtsratsmitglieder bis zum Erlass der "Nürnberger Gesetze" 1935 im Amt. In einem anderen Fall, der ein politisch verfolgtes Mitglied betraf, sahen Vorstand und Aufsichtsrat hingegen eine "Belastung" von HOCHTIEF. Der Mann musste seinen Hut nehmen.

HOCHTIEF im Dritten Reich

Der Vorstandsvorsitzende Eugen Vögler trat 1937 - also vergleichsweise spät - in die NSDAP ein. Auch stellte er sich als "Führer der Wirtschaftsgruppe Bau" zur Verfügung und fungierte als "Ehrenbannführer der Hitlerjugend". Auf der anderen Seite schützte er einen Mitarbeiter, der als Christ jüdischer Herkunft verfolgt wurde.
Desgleichen wehrte er sich - erfolgreich - gegen die Einmischung der Deutschen Arbeitsfront in innerbetriebliche Angelegenheiten.

Großprojekte beleben Baukonjunktur

Schon im März 1934 schienen sich die Erwartungen von HOCHTIEF und anderer Bauunternehmen auf eine Belebung der Baukonjunktur zu erfüllen. Dann nämlich begannen die Arbeiten an den Autobahnen. Auch an einem weiteren Großprojekt, den Reichsparteitagsbauten in Nürnberg, beteiligte sich HOCHTIEF. 1936 zog HOCHTIEF schließlich aus dem Geschäftshaus "Am Pferdemarkt" in Essen in das neue Hauptverwaltungsgebäude in der Rellinghauser Straße um. Hier ist heute noch der Sitz des Unternehmens. 1937 begannen die Bauten des als Freizeit-Areal geplanten "Kraft durch Freude"-Seebades Prora auf Rügen.

Neben diesen und anderen Bauten für Staat und Partei errichtete HOCHTIEF sehr viele Industriebauten. Zum Beispiel wurde 1935 in Rekordzeit eine Lastwagenfabrik für Opel in Brandenburg gebaut. Seit 1936 bestimmte der "Zweite Vierjahresplan" zunehmend die Bautätigkeit. Darin hieß es, die deutsche Armee müsse in vier Jahren einsatzfähig und die deutsche Wirtschaft in vier Jahren kriegsfähig sein. In der Folgezeit nahmen entsprechende Aufträge unverkennbar zu.