Den Pharao im Blick: Hans-Michael Treiber in Abu Simbel © Hans-Michael Treiber (Montage HOCHTIEF)

In Stein gemeißelt

Es war der vermutlich beeindruckendste Umzug in der Geschichte der Menschheit – und HOCHTIEF hat ihn vor einem halben Jahrhundert orchestriert. Die Rettung der Tempelanlage von Abu Simbel hatte gigantische Ausmaße und entwickelte sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Für Hans-Michael Treiber war es „das Projekt meines Lebens“.

wss/mmdb - assetID : 172855 © HOCHTIEF

Aachen, Mai 1965. „Studentische Hilfskraft gesucht!“ Als Treiber diesen Aushang von HOCHTIEF an der RWTH liest, sieht er sofort seine Chance. Er war 22 Jahre jung, hatte Zeit – und wollte sie nutzen. Raus aus der Uni und ab nach Ägypten. „Es war die pure Abenteuerlust“, erinnert sich der pensionierte Bauingenieur heute. Also bewarb sich der Student als Vermesser bei HOCHTIEF, wurde genommen und gerade fünf Tage nach der Zusage flog er los. Mit 20 Kilo Gepäck für seinen Sechs-Monats-Einsatz.

Schweißtreibend: Treiber ist nicht zimperlich, aber was er bei der Ankunft am Nilufer und dann jeden Tag wieder aufs Neue erlebt, das setzt ihm zu. Die Trockenheit. Der Sand. Und vor allem die Hitze. Sie ist schier unerträglich. 45 Grad im Schatten. „Es war so heiß, dass ich manchmal dachte, ich müsste sterben.“ Arbeiter aus zehn Nationen leben und arbeiten hier zusammen. Ein Megaprojekt.

Der Nil droht: Auf Bitten der ägyptischen Regierung hatte die UNESCO ein Rettungsprogramm initiiert: Ein internationales Konsortium unter der Leitung von HOCHTIEF stellte sich der Mammutaufgabe, die über 3000 Jahre alten Abu-Simbel-Tempel abzubauen und zu versetzen, um die in den Berg gemeißelten Kolossalfiguren so vor den steigenden Nilfluten zu retten. Das war nötig geworden, weil die ägyptische Regierung gerade den Assuan Hochdamm hatte bauen lassen, um weite Teile des Landes zu elektrifizieren. Was in der Planung für den Damm offenbar nicht berücksichtigt wurde, war, dass die stetig steigenden Wassermassen des Stausees zahlreiche einzigartige Monumente überfluten würden.

Ein Tonnen-Puzzle: Treibers Aufgabe ist es, die Monumente zu kartografieren. Die Tempel sollen in Puzzlesteine aufgeteilt werden, um sowohl den Ab- als auch den detailgetreuen Wiederaufbau zu garantieren. „Jeden einzelnen Riss mussten wir im Tempelinneren erfassen“, erinnert er sich. „Es sollte beim Wiederaufbau kein weiterer Riss dazu kommen.“ Für den perfekten Umzug werden über 1000 Blöcke mit Kränen bewegt. Der größte wiegt 30 Tonnen. Eine Herkulesaufgabe.

Abu Simbel in Zahlen

  • Pharao Ramses II. (1300-1233 v.Chr.) ließ zwei Tempel in den direkt am Nil gelegenen Hügelketten bei Abu Simbel bauen.
  • Die Kolossalfiguren sind 20 Meter hoch.
  • Die Kosten beliefen sich auf 36 Mio. US-Dollar.
  • Die Verlegung dauerte von März 1964 bis September 1968.

Seine sechs Monate in Ägypten vergehen wie im Flug. Im Oktober 1965 ist Treibers Arbeit getan. Der Rest ist Geschichte. Das Konsortium um HOCHTIEF rettet Abu Simbel vor dem Untergang. Die UNESCO erklärt die Tempel zum Weltkulturerbe. Sie werden zu einem internationalen Touristenmagnet. Und Hans-Michael Treiber?

Das Ding meines Lebens: Fünf Jahre nach seinem Nilabenteuer bewirbt er sich erneut bei HOCHTIEF, diesmal als Ingenieur. Wieder erhält Treiber das Vertrauen. Arabisch hat er in Abu Simbel gelernt – und das hilft ihm bei seinem ersten großen Ingenieurs-Job. Sechs Jahre arbeitet er am Großflughafen Jeddah in Saudi-Arabien. Aus dem Abenteuer von einst wurde seine Karriere: 30 Jahre HOCHTIEF – bis zur Pensionierung. Doch kein anderes Projekt hat Treiber so geprägt wie die Tempelrettung. „Abu Simbel ist und bleibt das Ding meines Lebens.“


Hans-Michael Treiber erzählt von seinem größten Projekt für HOCHTIEF, die Rettung der Tempel von Abu Simbel.


07.12.2018
Weitere HOCHTIEF Stories

Richtung Himmel
HOCHTIEF Story - Richtung Himmel © Gary Leonard Wilshire Grand Center

Ab in die Höhe! Wolkenkratzer wie der Burj Khalifa testen die Grenzen der Physik und der Fantasie.

mehr  
Kunst im Bau
HOCHTIEF Story - Kunst im Bau © HOCHTIEF CZ

Museen, Theater, Opern- und Konzerthäuser machen Städte unverwechselbar. HOCHTIEF – die Kunst im Bau.

mehr  

Alle Stories ansehen  

HOCHTIEF Kundenmagazin concepts