Zur kombinierten Berichterstattung bei HOCHTIEF

Interview mit Nikolaus Graf von Matuschka, Vorstandsmitglied der HOCHTIEF Aktiengesellschaft, unter anderem zuständig für Corporate Responsibility (CR):

Graf Matuschka, warum ist ein kombinierter Konzernbericht wichtig für ein Unternehmen wie HOCHTIEF?

Durch die gemeinsame Darstellung finanzieller und nichtfinanzieller Kennzahlen, Themen und Aspekte in nur einem Bericht möchten wir die Verbindung zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialem im HOCHTIEF-Konzern besser verdeutlichen. Denn als internationaler Baukonzern sind wir an vielen Orten der Welt präsent, stehen dort mit den Menschen in Kontakt und gestalten gemeinsam ihre Lebensräume. Auch erfahren viele Bauvorhaben ein großes öffentliches Interesse. Unsere Stakeholder haben mit einem kombinierten Konzernbericht die Möglichkeit, sich ganzheitlich über unser nachhaltiges unternehmerisches Denken und Handeln zu informieren.

Woher kommt das gestiegene Interesse an nachhaltigen Themen?

In den vergangenen Jahren haben wir in vielen Bereichen eine steigende Nachfrage beobachtet: Unsere Partner und Kunden bekennen sich selbst zu Nachhaltigkeit und erwarten von uns entsprechendes Engagement. Für Ausschreibungen der öffentlichen Hand ist eine Dokumentation unserer CR-Aktivitäten oft schon eine Voraussetzung, um sich für diese Aufträge zu qualifizieren. In erster Linie ist es aber unsere Verantwortung, der wir als internationaler Baukonzern gerecht werden wollen.

Fragt auch der Kapitalmarkt nach solchen Themen?

Auch in diesem Bereich wächst das Interesse: Unser Management von sogenannten ESG-Themen (Environmental, Social, Governance) wird inzwischen in zahlreichen Rankings bewertet. Dow Jones Sustainability Index, MSCI Global Sustainability Index oder FTSE4Good Index sind nur einige Beispiele. Durch eine Listung in diesen renommierten Aktienindizes empfehlen wir uns auch solchen Investoren, die ihr Portfolio an strikten Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Umso mehr freut es uns, dass HOCHTIEF 2014 unter anderem in die oben genannten Indizes aufgenommen beziehungsweise bestätigt wurde.

Gibt es gesetzliche Vorschriften für nachhaltige Berichterstattung?

Zurzeit wird auf vielen Ebenen eine rege Diskussionen um „Integrated Reporting“ geführt. Im Frühjahr 2014 beschloss das EU-Parlament eine CSR-Berichtspflicht für börsennotierte Unternehmen, die innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden soll. Wir haben uns schon früh mit der Themengestaltung befasst und sind daher bestens vorbereitet.

Entspricht HOCHTIEF heute schon den Anforderungen für die integrierte Berichterstattung?

Noch nicht in allen Bereichen, aber das liegt auch an der Branche, in der wir tätig sind: Wir bauen Unikate und fertigen keine Serienprodukte – das erschwert unter anderem die Datenerfassung. Zudem lassen sich Projekte nur bedingt miteinander vergleichen, es kommt dabei auch auf die regionalen Bedingungen an. Trotzdem profitieren wir im Bereich des nachhaltigen Bauens von der Datenerfassung zertifizierter Gebäude, im Infrastrukturbereich sehen wir noch Nachholbedarf. Teilweise haben wir schon gute Fortschritte erzielt, indem wir beispielsweise unsere Themenfelder regelmäßig in einer Abfrage durch unsere Stakeholder priorisieren lassen.

Auch die neue strategische Ausrichtung des Konzerns und die sich daraus ergebenden Veränderungen der vergangenen zwei Jahre hatten Auswirkungen. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie und die installierten Reportingprozesse müssen nun an die neuen Strukturen angepasst werden. Dies wird sicherlich ein Arbeitsschwerpunkt in diesem Jahr für uns sein. Darüber hinaus werden die nachhaltigen Aspekte in unserem neuen kombinierten Bericht von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft, um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung zu unterstreichen. Dieser kombinierte Konzernbericht 2014 ist dabei ein wichtiger Schritt für das Thema Nachhaltigkeit bei HOCHTIEF.

Vielen Dank für das Gespräch.

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