„Nachhaltigkeit ist ein Wachstumstreiber im Wettbewerb“

Interview mit Nikolaus Graf von Matuschka, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der HOCHTIEF Aktiengesellschaft, unter anderem zuständig für Corporate Responsibility:

Herr von Matuschka, was bedeutet Nachhaltigkeit für das Bauunternehmen HOCHTIEF?

Für uns ist unternehmerischer Erfolg ohne einen aktiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt nicht denkbar. Um langfristig Werte zu schaffen, verbinden wir die Aspekte Ökonomie, Ökologie und Soziales bei unserer Arbeit. Anders als viele Unternehmen haben wir keine standortgebundene Serienproduktion, sondern realisieren mit unseren Bauprojekten Unikate in aller Welt. Ob Straße, Tunnel, Bürogebäude oder Krankenhaus: Jedes Projekt ist anders und erfordert eine individuelle Projektarbeit von Beginn an. Da beginnen wir auch mit unserer Nachhaltigkeitsarbeit. Unsere Maxime ist es, dass Gesellschaft und Umwelt durch unser Wirtschaften so viel profitieren und so wenig belastet werden wir irgend möglich.

Dazu gibt es selbstverständlich konzernweite Vorgaben und Standards zum Nachhaltigkeitsmanagement. Nachhaltigkeit ist ein strategischer Unternehmensgrundsatz bei HOCHTIEF und in allen Prozessen fest verankert.

Wie stehen denn Ihre Kunden zu dem Thema?

Da konnten wir eine interessante Entwicklung beobachten. In den vergangenen Jahren hat Nachhaltigkeit deutlich an Bedeutung gewonnen und ist heute aus einigen Geschäftsfeldern nicht mehr wegzudenken. Unsere Kunden legen zunehmend Wert auf die Ausgewogenheit ökonomischer, ökologischer und sozialer Faktoren. So haben sich zum Beispiel durch die Zertifizierungssysteme im Hochbausektor – etwa den LEED-Standard in den USA und das DGNB-Siegel in Deutschland – der gesamte Markt und auch der Anspruch unserer Kunden stark verändert. Etwas zeitversetzt folgen nun solche neuen Standards auch für den Infrastruktur-Sektor. Wir sind überzeugt, dass in einigen Jahren auch ein Großteil der Verkehrsinfrastrukturprojekte nachhaltig realisiert werden wird. Unsere Stakeholder bestätigen uns, dass das Angebot nachhaltiger Leistungen insgesamt immer wichtiger wird.

Würden Sie Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber in Ihrem Geschäft bezeichnen?

Ja, das kann man durchaus so sagen, denn um eine führende Rolle im Wettbewerb zu spielen und der zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden, müssen wir in unseren Geschäftsfeldern selbstverständlich entsprechende innovative Produkte anbieten. Wir entwickeln energieeffiziente und ressourcenschonende Leistungen – und tragen so zur nachhaltigen Entwicklung bei. Wir haben uns etwa frühzeitig für das „grüne“ Bauen stark gemacht und diesen Markt mitgeprägt. In den USA sind wir in diesem Segment seit vielen Jahren Spitzenreiter. 2015 lag der Konzernumsatz allein im Geschäftsfeld „Green Building“ bei mehr als 7 Mrd. Euro.

Ein weiteres Beispiel ist das Building Information Modeling (BIM), ein Innovationsschwerpunkt von HOCHTIEF: Beim virtuellen Bauen mittels eines 3-D-Computermodells, das um Faktoren wie Zeit (4-D-Modell), Kosten (5-D-Modell) und weitere Informationen ergänzt wird, können Bauvorhaben optimal geplant und nachhaltig gestaltet werden. HOCHTIEF hat dieses Potenzial früh erkannt und gilt als Pionier in diesem Bereich – bislang haben wir einen Umsatz von mehr als 60 Mrd. US-Dollar damit erzielt. BIM wird heute in vielen Ländern bereits von den Auftraggebern gefordert, und wir können von unserer langjährigen Erfahrung profitieren.

Nachhaltigkeit sorgt insgesamt für eine neue Dynamik: Immer mehr Auftraggeber arbeiten nur noch mit Baupartnern zusammen, die detaillierte Angaben zu Arbeitssicherheit und Corporate Governance, Ressourcenverbrauch oder Klimaschutz machen können. Hier profitieren wir von unserem Nachhaltigkeits-Engagement.

Welche Veränderungen gibt es durch die Anforderung der Nachhaltigkeit bei HOCHTIEF?

Wir arbeiten schon seit vielen Jahren kontinuierlich daran, das unternehmerische Handeln von HOCHTIEF nachhaltig zu gestalten – Nachhaltigkeit ist ein fortlaufender Prozess, der sich an einer Reihe von Faktoren orientiert. Ob Investoren oder Mitarbeiter, Nachunternehmer oder Anwohner, sie alle haben bestimmte Erwartungen an uns, denen wir bestmöglich gerecht werden wollen. Darum richten wir unsere Ziele an den Anforderungen unserer Stakeholder aus und überprüfen regelmäßig ihre Relevanz. Dabei ist es uns wichtig, Transparenz zu zeigen: In unserem regelmäßigen Reporting legen wir Zahlen und Ziele zur Nachhaltigkeit offen und beteiligen uns an Ratings wie dem Dow Jones Sustainability Index und dem CDP. Das ist übrigens auch ein wichtiger Indikator für Investoren im stark wachsenden Markt für nachhaltige Geldanlagen.

Neue Anforderungen entstehen natürlich auch durch aktuelle Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeit – so haben wir uns klar zu den Klimazielen von Paris bekannt und werden verstärkt Maßnahmen ergreifen, um CO2-Emissionen einzusparen – intern ebenso wie in unserem Projektgeschäft. Entscheidend für den Nachhaltigkeitserfolg von HOCHTIEF ist darum das Engagement unserer Mitarbeiter.

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