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1873 - 1896
Gründung und erste große Bauaufträge

Die Gründer von HOCHTIEF waren die Brüder Balthasar (1848-1896, Schlosser) und Philipp Helfmann (1843-1899, Maurer). 1872 zog Philipp Helfmann nach Frankfurt-Bornheim und firmierte zunächst als Holzhändler, dann als Bauunternehmer. Wohl kurz vor der 1873 beginnenden Gründerkrise folgte ihm sein Bruder Balthasar, 1874 wird die Firma erstmals unter dem Namen „Gebrüder Helfmann" im Bornheimer Adressbuch erwähnt. Zu dieser Zeit erlebte Frankfurt am Main einen immensen Industrialisierungsschub.


Mit der Zahl der Einwohner erhöhte sich auch der Bedarf an Wohnungen, Fabriken und natürlich Infrastruktur. Die Gebrüder Helfmann bauten zunächst Häuser auf „eigene Rechnung", die nach Fertigstellung verkauft wurden. Schon nach kurzer Zeit erhielt das Unternehmen den ersten bedeutenden Hochbauauftrag: die Universität Gießen (1878-1879). Schon bald war das junge Unternehmen breit aufgestellt: auf die Hochbauprojekte folgten Industriebauten und Tiefbauprojekte wie Kläranlagen.


Universität Gießen


Schriftgießerei Bauer


Rosenthal-Viadukt bei Friedberg/Hessen


Gerichtsgebäude Neue Zeil in Frankfurt am Main


1896 - 1921
Gründung der Aktiengesellschaft

Zunächst beschränkte sich die Bautätigkeit der Gebrüder Helfmann noch auf den Frankfurter Raum. Für eine Erweiterung des Geschäfts fehlte der Firma einfach das nötige Kapital. Philipp Helfmann erwies sich im Geschäftsalltag als der wagemutigere und vielleicht auch weitsichtigere der beiden Brüder. Kurz nach dem Tod von Balthasar initiierte er dann die Umwandlung des Unternehmens in die „Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten." Diese blieb zunächst einmal ein Familienunternehmen, bis zu seinem Tod 1899 oblag die Verantwortung allein Philipp Helfmann.

 


Das Unternehmen, anfangs noch mit dem Familiennamen verbunden, beginnt mit der Jahrhundertwende dann seinen Aufstieg zum global arbeitenden Unternehmen. 1899 erhält das Unternehmen den ersten bedeutenden Auftrag im Ausland: den Getreidespeicher in Genua.


Hotel Kaiserhof in Wiesbaden


Hafenerweiterung Ruhrort


1921 - 1933
Teil des Stinnes-Konzerns

HOCHTIEF hatte sich zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts aus den bescheidenen Anfängen in Frankfurt zu einem etablierten Bauunternehmen entwickelt. Doch mit großen Unternehmen der Schwerindustrie wie Thyssen oder Stinnes ließ sich das Bauunternehmen in puncto Bilanzsummen oder Mitarbeiterzahlen nicht vergleichen.


1922 wurde das etablierte Bauunternehmen Teil eines solchen Konzerns: Der Stinnes-Konzern, zu dem Bergwerksbetriebe, Schifffahrtsgesellschaften und Maschinenbauunternehmen gehörten und der mit Thyssen zusammen die Mehrheit an RWE besaß, handelte mit Eugen Vögler (1884-1956), Leiter der HOCHTIEF Niederlassung in Essen, 1921 eine Interessengemeinschaft aus. Demnach sollten sämtliche Stinnes-Bauten von HOCHTIEF ausgeführt werden. 1922 wurde HOCHTIEF dann ganz in den Stinnes-Konzern integriert und der Firmensitz nach Essen verlegt. Bei aller Veränderung bemühten sich die HOCHTIEF-Direktoren um Kontinuität, vor allem bei der Namenswahl. Seit 1923 führte HOCHTIEF offiziell den Namen „HOCHTIEF Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten vorm. Gebrüder Helfmann".


Großkraftwerk Klingenberg in Berlin


Echelsbacher Brücke


Zeche Zollverein in Essen


1933 - 1945
HOCHTIEF im Dritten Reich

Nach der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre wurde mit Übernahme der politischen Macht durch die Nationalsozialisten die Baukonjunktur neu belebt. Neben Bauten für Staat und Partei, wie Autobahnen oder auch die Reichsparteitagsbauten in Nürnberg, errichtete HOCHTIEF weiterhin sehr viele Industriebauten. Und für sich selbst einen neuen Firmensitz: 1936 zog HOCHTIEF aus dem Geschäftshaus „Am Pferdemarkt" in Essen in das neue Hauptverwaltungsgebäude in der Rellinghauser Straße um. Hier ist heute noch der Sitz des Unternehmens. Das ursprüngliche Gebäude selbst wurde im März 1945 durch Bomben schwer beschädigt.

Ab 1936 bestimmte der „Zweite Vierjahresplan" zunehmend die Bautätigkeit. Um „kriegsfähig“ zu sein, wurden viele Aufträge für militärischen Bauten, Industriebauten und der Verkehrswege vergeben. Die zivile Bautätigkeit des Unternehmens nahm infolge ab.


Nach Kriegsbeginn 1939 führte HOCHTIEF weiter Aufträge für das Hitler-Regime aus. Ebenso war HOCHTIEF im deutsch-besetzten und nicht-besetzten Ausland tätig: in Bulgarien, Jugoslawien, Polen, Ungarn, Österreich und sogar im Iran. Hier entstanden zumeist Verkehrswege, manchmal auch Industriebauten. Auch an den sogenannten Führerbauten, dem Berghof auf dem Obersalzberg, der Wolfsschanze in Rastenburg (Ostpreußen) und dem Führerbunker in Berlin, war HOCHTIEF beteiligt. Es ist rekonstruierbar, dass HOCHTIEF ab 1939/40 auch Zwangsarbeiter beschäftigte. Alle detaillierten Forschungsergebnisse zum Unternehmensgeschehen in dieser Zeit, auch zur Rolle des Vorstands und Aufsichtsrats, sind ausführlich in der im Jahr 2000 erschienenen Unternehmenschronik sowie im folgenden Positionspapier erläutert.

Mit Ende des Krieges kam die Bautätigkeit fast völlig zum Erliegen. Die Mitarbeiter auf Auslandsbaustellen in Osteuropa flohen vor den vorrückenden sowjetischen Truppen.


Verantwortung für die Unternehmensgeschichte im „Dritten Reich"

Ajax-Stadion in Amsterdam


1945 - 1966
Wiederaufbau und Wirtschaftswunderjahre

 

1945 bot HOCHTIEF ein Bild der Zerstörung. Die Baustellen und Niederlassungen östlich der Oder-Neiße-Linie in Königsberg, Danzig, Kattowitz und Krakau mussten aufgegeben werden, später dann auch die Niederlassungen in der sowjetisch-besetzten Zone in Halle, Magdeburg und Leipzig. Der Vorstandsvorsitzende Eugen Vögler floh vor den Besatzungsbehörden. Artur Konrad (1882-1970) übernahm die Leitung des Unternehmens bis 1950; ihm folgte Josef Müller (1893-1981). Die HOCHTIEF-Niederlassungen waren zum überwiegenden Teil durch Bomben beschädigt oder zerstört. Viele Baumaschinen und Werkzeuge waren gestohlen oder unbrauchbar.

Um weiterarbeiten zu können, fehlte es an Baumaterial, Maschinen und Arbeitskräften. Trotzdem nahmen die HOCHTIEF-Mitarbeiter die Tätigkeit wieder auf. Es galt, Trümmer zu beseitigen und zerstörte Verkehrswege und Gebäude zumindest notdürftig zu reparieren.


Aufträge für Neubauten mehrten sich erst wieder nach der Währungsreform 1948, auch für HOCHTIEF begannen dann die „Wirtschaftswunderjahre". Gebaut wurden Wohnungen und Fabriken, aber natürlich auch Verwaltungsgebäude.

Ab 1951 versuchte der Vorstand von HOCHTIEF, das nach dem Krieg brachliegende Auslandsgeschäft wieder zu beleben. Der Bau der Nilbrücke Mansourah in Ägypten (1951-1952) machte hierbei den Anfang. Auch aus der Türkei erhielt HOCHTIEF Aufträge: 1952 begann der Bau der Wasserkraftanlage Sariyar, 1953 der der Kraftzentrale Izmir. 1954 beteiligte sich HOCHTIEF an einer Gesellschaft für Hafenbau in Kandla (Indien).


Hafen Kandla in Indien


Tunnel Paraná in Argentinien


Hilton Hotel in Athen


1966 - 1989
Vom Baumeister zum Baukonzern

1966 kündigte sich in den Begriffen „Konzern" und „Dienstleister" ein Wandel von HOCHTIEF an. Die Entwicklung zu einem „Konzern" wurde durch eine Änderung des Aktiengesetzes im Jahre 1965 erforderlich. Vom „Baumeister" wurde das Unternehmen schrittweise zum „Systemführer". Im Unternehmensalltag spielten nun die Begriffe „schlüsselfertiges Bauen", „Generalunternehmer" und „Dienstleister" eine zentrale Rolle. Dieser Wandel ist untrennbar verbunden mit den Namen von Dr. Albrecht Schumann (1911-1999), von 1968-1980 Vorstandsvorsitzender, und seinem Nachfolger Dr. Enno Vocke (1925-2018), Vorstandsvorsitzender von 1981-1988.


Motor der positiven Entwicklung dieser Zeit blieb das Inlandsgeschäft, nicht zuletzt aufgrund der führenden Stellung von HOCHTIEF im Kernkraftwerksbau. Mit der Ölkrise 1973 änderte sich das Verhältnis von Inlands- und Auslandsgeschäft grundlegend und nachhaltig, die Bauwirtschaft profitierte von dem unerwarteten Reichtum der ölexportierenden Länder. HOCHTIEF erhielt dort auch von diesen den bis dahin größten Einzelauftrag für den Bau des Flughafens Jeddah in Saudi-Arabien.

1980 trug das Auslandsgeschäft erstmalig mehr als die Hälfte zur Bauleistung bei, bevor es dann zusehends einbrach. Vor allem über die Ausweitung des Inlandsgeschäfts gelang es dennoch, HOCHTIEF stabil zu halten. Nach den mageren Jahren 1986 bis 1988 verzeichnete HOCHTIEF 1989 erstmals wieder einen deutlichen Zuwachs.


Flughafen in Jeddah


Messeturm in Frankfurt am Main


1990 - 2007
Der Wandel zum internationalen Baudienstleister

Die deutsche Wiedervereinigung löste zunächst einen vorübergehenden Bauboom aus, doch Mitte der 1990er Jahre traten die Strukturprobleme der deutschen Bauwirtschaft erneut offen zu Tage. Dr. Hans-Peter Keitel (*1947, Vorstandsvorsitzender von HOCHTIEF von 1992-2005), begegnete diesen Problemen mit dem konsequenten Umbau des Unternehmens. Ein stärkeres Engagement im weniger zyklischen und langfristig angelegten Dienstleistungs- und Konzessionsgeschäft sollte das klassische Baugeschäft flankieren und Konjunkturschwankungen abfedern. HOCHTIEF wandelte sich zu einem Baudienstleister mit einer Angebotspalette, die Entwicklung und Bau, Dienstleistungen sowie Konzessionen und Betrieb umfasste. Es entstanden sukzessive neue Gesellschaften, wie etwa für Projektentwicklung (ab 1991), Airport-Management (seit 1997), Facility-Management (seit 1996) sowie Infrastrukturentwicklung- und -finanzierung (2002).


Und: Nicht nur die Projekte, sondern das Unternehmen wurde internationaler. HOCHTIEF exportierte die Bauleistung nicht mehr nur, sondern gründete zahlreiche Regionaleinheiten direkt vor Ort, wie in den neu geöffneten lukrativen Märkten Osteuropas. Darüber hinaus erschloss HOCHTIEF mit internationalen Zukäufen neue Märkte. Entscheidende Meilensteine waren dabei die Zukäufe der US-amerikanischen Turner Corporation (100 Prozent seit 2000) sowie die australische Leighton Holdings (später CIMIC, Mehrheitsbeteiligung seit 2001).

Bereits früh, um die Jahrtausendwende, setzte HOCHTIEF bereits das Thema Nachhaltigkeit auf die Agenda und baute sein Engagement in diesem Bereich aus. HOCHTIEF wurde mit Branchenpionier in der Berichterstattung in diesem Bereich, Turner erlangte die Marktführerschaft im Bereich Green Building in den USA und HOCHTIEF war hierzulande Gründungsmitglied der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen).


Ostbrücke über den Großen Belt


RWE-Turm in Essen


The Solaire in New York City


Containerterminal in Danzig


Seit 2007
Exzellenz durch Vernetzung

Mit dem Ausstieg des Großaktionärs RWE 2004 wurde aus der Unternehmenszentrale eine rein strategische Management-Holding mit einem großen Anteil an Aktien im Streubesitz.

Keitels Nachfolger, Dr. Herbert Lütkestratkötter (*1950, Vorstandsvorsitzender von 2005-2011), baute Keitels Vision zu dem Ansatz des Lebenszyklus-Managements aus: HOCHTIEF deckt alle Phasen des Lebenszyklus von Infrastrukturprojekten, Immobilien und Anlagen ab.

Seine lokale Präsenz in den wichtigen Baumärkten der Welt erweiterte HOCHTIEF kontinuierlich. 2007 wurde das Tiefbauunternehmen Flatiron, einer der Top-Ten-Anbieter für Infrastrukturprojekte in den USA, erworben. Die Akquisitionen des Tiefbauunternehmens E.E. Cruz (2010) und des Hochbauunternehmens Clark Builders (2012) in den USA verstärkten die Präsenz in Nordamerika.


HOCHTIEF reagierte auf die veränderten Erfordernisse und Chancen der Märkte des neuen Jahrtausends. Insbesondere profitierte das Unternehmen von seiner Erfahrung im attraktiven Markt für komplexe Infrastrukturprojekte. Dazu gehört auch das profitable Public-Private-Partnership-Geschäft.

Seit Frühjahr 2011 hat HOCHTIEF erstmals seit dem Ausstieg des Energiekonzerns RWE wieder einen Großaktionär, das spanische Unternehmen ACS. Den Vorstandsvorsitz übernahm Dr. Frank Stieler. Im November 2012 hat Marcelino Fernández Verdes das Amt von ihm übernommen. Der gebürtige Spanier gehört seit 2012 dem Vorstand an und war zunächst als Chief Operating Officer (COO) für die Division HOCHTIEF Americas zuständig. HOCHTIEF setzt seine 140-jährige Tradition weiter fort.


Gotthard Basistunnel in der Schweiz


Chicago Art Institute


Windpark Lillgrund in Schweden


The Ark in Sydney